Mystik – hier und weltweit

Durch die Einladung einer sehr frommen Frau, die 4 Wochen im Konvent von Mutter TERESA in Kalkutta gelebt und gearbeitet hat (MYSTIK in seiner radikalsten und wirksamsten Form!!), die ich bei einem Aufenthalt mit 73 Jugendlichen unserer Gemeinde im Oktober 2015 in Taizé/Frankreich kennengelernt hatte (MYSTIK in seiner weltumspannenden und ökumenischen Form, die gerade auch viele junge Leute anspricht!!), bin ich, zum ersten Mal in meinem Leben, nach Chennai/Madras in Indien gereist. Dabei habe ich an einem Treffen mit 50 jungen indischen Frauen teilgenommen, begleitet und unterstützt von einem Jesuiten, die sämtlich ihren Mann bei dem Tsunami am 26.12.2004 verloren hatten (brutale Folgen der Naturgewalten, keinerlei MYSTIK!!), und die um eine minimale Unterstützung von Seiten des indischen Staates kämpfen. Ich habe an vier Tagen auf 2000 km Landstraßen im südlichen Indien an die 100 Personen wahrgenommen, die die Straßen säuberten (sämtlich nur ausgemergelte Frauen, brutale Alltagswirklichkeit!!!!) und habe in einem kirchlichen Haus an einem Mittagessen teilgenommen, bei dem die drei Männer auf ihren Sesseln saßen, die Köchin aber, die das Essen vorbereitet hatte und hereinbrachte, auf dem Fußboden sitzend, den Teller auf ihrem Schoß, mit ihren Beinen und dem Blick in den Garten gewandt, getrennt essen musste – das schiere und dramatische, fast teuflische Gegenteil von MYSTIK!!

Anlässlich dieses Besuches in Indien bin ich am 14.2. dieses Jahres (Valentinstag!!) in Pondicherry gewesen und habe den Ashram Sri Aurobindo besucht, ein klosterähnliches Meditationszentrum nach dem Namen von Sri Aurobindo, einem indischen Nationalisten, Philosophen, Yogi, Guru und Dichter, geboren am15.8.1872 in Calcutta/British India, verstorben am 5.12.1950 in Pondicherry/French India. Hier liegen Sri Aurobindo und Mirra Alfassa, geboren am 21.2.1878 in Paris/Frankreich, am 17.11.1973 im Alter von 95 Jahren in Pondicherry/Indien verstorben, zeitlebens bekannt und danach verehrt als „Die Mutter“, in einem weißen Marmor-Schrein begraben. Ihr Grab im Garten dieses Ashrams, von Blumen übersät, wird täglich von 2 – 3000 Besucher/innen schweigend und in tiefer Ehrfurcht aufgesucht.

Sri Aurobindo betrachtete Mirra Alfassa als eine Inkarnation der Gottesmutter und nannte sie deshalb „Die Mutter“!

In diesem Ashram gibt es keine obligatorischen Praktiken oder Riten, keine systematischen Instruktionen in Yoga; lediglich „there must be a surrender to the Divine and an opening to the Divine Force so that it may work to transform one’s being / es muss ein Sich-Ergeben in das Göttliche da sein und ein Sich-Öffnen der Göttlichen Kraft, so dass diese eine Transformation des menschlichen Seins bewirken kann“ (Welcome to Sri Aurobindo Ashram; Wikipedia).

Mirra Alfassa gründete mehrere Bewegungen, die als „Sri Aurobindo International Center of Education“ und als „Mirra’s International School“ die „Integral Yoga“, „Education“ und „Spirituelle Suche“ miteinander verbanden.

„Je ruhiger du innerlich bist, desto stärker wirst du. Die unerschütterliche Grundlage aller spirituellen Macht ist Gleichmut“ (Die Mutter).

„Innerer Friede ist ein noch positiverer Zustand, er bringt ein Gefühl gefestigter, harmonischer seelischer Entspannung und Befreiung mit sich“ (Sri Aurobindo).

Beide Zitate in: Die inneren Kräfte – Auszüge aus den Werken von SRI AUROBINDO und DER MUTTER, Erste deutsche Ausgabe 2013, ISBN 978-81 -7058-981-5, Verlag: Sri Aurobindo Ashram Publication Department Pondicherry 605 002, S. 152.

 

Dr. Bernward Hallermann

Pastor i.R. und Diplom-Psychologe