Gedanken in Zeiten von Corona (2)

Im nächsten Jahr ist es 70 Jahre her, dass ich zur Erstkommunion gegangen bin. Die außerordentliche Form der Kommunionausteilung mit einer Pinzette, die nach der gottesdienstlosen Zeit wegen der Coronakrise in St. Bonifatius üblich geworden ist, lässt mich darüber nachdenken, welche Formen des Kommunionempfangs ich in meinem Leben kennen gelernt habe.

In meiner Kindheit gab es die Austeilung der hl. Kommunion mit und ohne Patene, die dem knienden Kommunizierenden wie ein silbernes Tablett unter das Kinn gehalten wurde. Diese Praxis und die Mundkommunion waren Ausdruck großer Ehrfurcht vor der Gegenwart Christi im Sakrament. Dem sonntäglichen Kommunionempfang der meisten Kinder und Jugendlichen stand die eher seltene Kommunion der Erwachsenen gegenüber. Aufgrund des Nüchternheitsgebotes kommunizierten in der Spätmesse nur noch der Priester und eventuell die Messdiener. Der Gang zur Kommunionbank fand streng geordnet statt, Kirchenbankreihe nach Bankreihe, Frauenseite, Männerseite. Ausgeteilt wurde die Kommunion ausschließlich durch geweihte Personen, d. h. durch Männer. Die Auseinandersetzungen um die bei vielen Gläubigen seit langem weithin gebräuchliche Handkommunion sind in lebendiger Erinnerung. Das trifft auf auch manch andere liturgische Änderung in den Jahren nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) zu.

Heutzutage ist oft ein ungeordnetes Abholen der Eucharistie zu beobachten, gelegentlich sogar ein sich Begrüßen auf dem Weg zur oder von der Kommunionbank. Selten geworden ist ein Niederknien am Platz in der Kirchenbank nach der Rückkehr vom Kommunionempfang. Vom äußeren Vollzug her könnte ein Nachlassen der Ehrfurcht vermutet werden. Aber wir können einander nicht ins Herz schauen, und (An-)Beten kann man auch im Stehen oder Sitzen.

Dankenswerterweise kennen wir inzwischen den Dienst von Kommunionhelfern und Kommunionhelferinnen, die die hl. Kommunion austeilen und von den Gläubigen voll akzeptiert sind. Bei bestimmten Anlässen empfangen wir seit langem die Eucharistie unter beiden Gestalten und setzen so ein Zeichen der Ökumene. Vielleicht lässt sich auch eine andere Praxis der evangelischen Glaubensgeschwister als Anregung aufnehmen: Die Gläubigen bilden im Altarraum Halbkreise, empfangen den Leib und das Blut Christi, hören einen Bibelvers des Liturgen und gehen dann gemeinsam auf ihre Plätze im Kirchenschiff zurück. Einen entsprechenden Anfang haben wir in St. Bonifatius schon gemacht, indem wir die mit der Pinzette ausgeteilte Hostie in der Hand behalten, bis der Priester und der / die Kommunionhelfer / in am Altar zurück sind und alle gemeinsam kommunizieren. Ein schönes Zeichen kirchlicher Gemeinschaft.

Claus-Dieter Klais, Diakon