Fundstücke (1)

Viele Menschen lesen in diesen Zeiten von Corona mehr als sonst. Bei mir ist das jedenfalls so. Dabei entdecke ich in Büchern von früher immer wieder Texte, die mir jetzt wie „Schätze“ vorkommen und die ich deshalb auf der Homepage unserer Gemeinde als „Fundstücke“ veröffentlichen möchte. Vielleicht haben auch andere Leser/innen einen Gewinn bei der Lektüre. – Zur Einleitung in den 1. Text die folgenden Gedanken:

Weltweit zählen wir inzwischen deutlich über 2.000.000 Coronatote. In Deutschland sind fast 60.000 Menschen am Coronavirus gestorben. In Nordrhein-Westfalen werden mehr als 10.000 Tote beklagt, in Dortmund etwa 250 (Stand: Anfang Februar).

Viele Menschen leiden als an der Pandemie Erkrankte und als Angehörige. Viele Genesene kämpfen mit Folgeschäden. Viele Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, Krankenschwestern sind über die Maßen beansprucht.

Zahllosen Menschen fällt die Einhaltung der Maßnahmen und Regeln zunehmend schwer. Sie klagen über Stress im Beruf und in der Betreuung der Kinder. Alte Menschen trauern über Einsamkeit und Mutlosigkeit.

Kann ein Brief des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, den er  am 24. Dezember 1943 geschrieben hat, als er wegen seines Widerstands während der Nazidiktatur im Gefängnis saß, Trost zusprechen?

Claus-Dieter Klais, Diakon

„Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht versuchen; man muss es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden.

Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere alte Gemeinschaft miteinander – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren.

Ferner: je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. (…)

Ferner: Trennungszeiten sind für das Zusammenleben nicht verloren und unfruchtbar, sie brauchen es jedenfalls nicht zu sein, sondern es kann sich in ihnen – allen Problemen zum Trotz – eine ganz merkwürdig starke Gemeinschaft bilden.

Weiter: ich habe es hier besonders erfahren, dass die Tatsachen immer bewältigt werden können und dass nur die Sorge und die Angst sie vorher ins Maßlose vergrößern. Vom ersten Aufwachen bis zum Einschlafen müssen wir den anderen Menschen ganz und gar Gott befehlen und ihm überlassen, und aus unseren Sorgen für den Anderen Gebete für ihn werden lassen.“

Dietrich Bonhoeffer, 1906 – 1945, in: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft