Fundstücke (2)

In den 40 Tagen der Fastenzeit (die evangelischen Christen sprechen von der Passionszeit) bereiten sich die Gläubigen auf das Osterfest vor, auf die Feier des Todes und der Auferstehung Christi. Gedanken aus Taizé helfen vielleicht, die österliche Bußzeit angemessen zu begehen.

Claus-Dieter Klais, Diakon

Die Fastenzeit lässt uns mit ihrer Dauer von vierzig Tagen zunächst an die Wüste denken. Jesus verbrachte dort vierzig Tage in Einsamkeit, das Volk Gottes ist vierzig Jahre lang durch sie hindurch gezogen.

Frère Roger erinnerte in den Wochen vor Ostern gerne daran, dass sie keine Zeit von Entbehrung oder Trauer sind, keine Zeit um Schuldgefühle zu hegen, sondern ein Anlass, die Freude der Vergebung zu besingen. Für ihn war die Fastenzeit eine  vierzigtägige Vorbereitung darauf, immer wieder den einen oder anderen kleinen Frühling in unserem Leben zu entdecken.

Am Anfang des Matthäusevangeliums ruft Johannes der Täufer: „Kehrt um!“, und meint damit: „Wendet euch Gott zu!“ Ja, während der Fastenzeit möchten wir uns Gott zuwenden und uns sein Verzeihen schenken lassen. Christus hat das Böse besiegt, und seine beständige Vergebung kann unser inneres Leben erneuern. Wir sind zu einer Umkehr aufgerufen: nicht sich um sich selbst drehen und nur sich selbst begutachten und vervollkommnen wollen, sondern nach Gemeinschaft mit Gott und mit den anderen Ausschau halten. (…)

Für viele gehört es zur Fastenzeit, auf etwas zu verzichten. Doch soll dies nicht eine Askese um ihrer selbst willen sein. Der Verzicht kann uns vielmehr helfen, zu unserer tieferen Sehnsucht vorzustoßen, zu unserem Durst nach Wesentlicherem, und dieser Durst kann uns Licht auf dem Weg sein. (…)

Die Fastenzeit lädt uns ein zu teilen. Sie lässt uns ahnen, dass es keine Selbstverwirklichung gibt ohne Bereitschaft zum Verzicht, eine Bereitschaft aus Liebe. (…)

Wagen wir es, während der Fastenzeit unseren Lebensstil zu überdenken, nicht um uns und anderen ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern um Wege zu finden, mit den ärmsten Menschen solidarisch zu sein.

Frère Alois, *1954, in: Glauben wagen. Die christlichen Feste im Jahr