Fundstücke (6) > Zum Tod von Hans Küng

Am 6. April 2021 ist Prof. Dr. Hans Küng im Alter von 93 Jahren in Tübingen gestorben. Seit 1960 war er als katholischer Theologe an der dortigen Universität tätig. Seine ökumenischen und interreligiösen Forschungen wurden weltweit beachtet. Dasselbe gilt für sein Projekt Weltethos und die gleichnamige Stiftung. Seine Kirchenkritik und insbesondere seine Anfrage zur Unfehlbarkeit des Papstes führten vor vierzig Jahren zum Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis. Das hat Hans Küng damals schwer getroffen. Seine Liebe zur Kirche und seine Schaffenskraft wurden dadurch aber nicht beeinträchtigt. Ein Zeitzeuge um 1980 herum sagt zutreffend:

„Für sehr viele Gläubige und nach dem Glauben Suchende und Fragende …, für solche, die dem Glauben interessiert oder kritisch oder zweifelnd gegenüberstehen, ist Küng zum Symbol einer offenen Kirche geworden, die fähig ist, ihre Grenzen immer wieder auf die Begegnung mit dem modernen Bewusstsein des Menschen hin zu überschreiten, ohne dabei ihre Identität zu verlieren.“

(Medard Kehl)

In ähnlicher Weise hat sich in diesen Tagen Küngs Bischof geäußert. Er schließt die Würdigung seines Priesters ab mit den Worten:

„Aber zuerst war er (Küng) nicht Kirchenkritiker oder Papstkritiker, sondern Kirchenliebhaber, … Er liebte die Kirche, weil sie einen Auftrag hat: den Glauben an Jesus Christus zu leben und zu verkündigen. Der unerschütterliche Glaube an ihn war Küngs Triebfeder für seine enorme Schaffenskraft. Als Mensch, Christ, Wissenschaftler und Priester hat er diese in den Dienst des Glaubens gestellt. Das Bistum Basel ist für dieses Glaubenszeugnis dankbar. Ich bete dafür, dass er nun Gott schaut, von Angesicht zu Angesicht.“

(Felix Gmür)

Zum Schluss soll Prof. Küng selbst zu Wort kommen, und zwar mit einer Überlegung zum Lebensende des Menschen:

„Der letzte, entscheidende, ganz andere Weg des Menschen führt nicht hinaus ins Weltall oder über dieses hinaus. Sondern – wenn man schon in Bildern reden will – gleichsam hinein in den innersten Urgrund, Urhalt, Ursinn von Welt und Mensch: aus dem Tod ins Leben, aus dem Sichtbaren ins Unsichtbare, aus dem sterblichen Dunkel in Gottes ewiges Licht. … Also nicht ein Enden, gar Verenden, sondern ein Vollenden, nicht eine Minderung, sondern eine Erfüllung, die unendliche Erfüllung.“

(Hans Küng)

Claus-Dieter Klais, Diakon